Antifeminismus undrechte Aktionen

Antifeminismus ist eine zentrale Strategie von Rechtspopulisten und Rechtsextremisten. Sie nutzen es aus, dass Antifeminismus im Vergleich zu Rassismus oder Antisemitismus weniger als menschenfeindlich erkannt und gewertet wird.

Zentrales Anliegen von Feminismus ist, Stereotype aufzubrechen und ein besseres Leben für alle Menschen zu ermöglichen. Das etwa Jungs nicht mehr mit dem Ende der Grundschule dazu übergehen, Gefühle, die als „weiblich“ konnotiert sind, zu unterdrücken und aufhören, sie nach außen zu kommunizieren.

Antifeminismus richtet sich gegen die Beseitigung von Sexismus, gegen die Umsetzung von Gleichberechtigung oder gegen die Stärkung geschlechtlicher und sexueller Selbstbestimmung. Er ist zu einer breiten Strömung geworden, die unterschiedliche gesellschaftliche, politische, religiöse und akademische Akteur:innen umfasst und sich gezielt und organisiert gegen Feminismus und geschlechtliche Emanzipationsbewegungen wendet.

Antifeminismus bedeutet…

… das Problem der Mehrfachbelastung von Frauen damit zu lösen, dass sie sich nur auf Haushalt und Familie konzentriert.
… Transfrauen oder Männer mit Migrationshintergrund als größte Gefahr für „deutsche“ d.h. weiße Frauen darzustellen.
… Menschen vor Beratungsstellen oder Praxen zu belästigen, wenn sie einen Schwangerschaftsabbruch durchführen lassen wollen.
… den Schutz von Kindern zu nutzen, um queere Menschen zu stigmatisieren und ihre Rechte einzuschränken.

Populistische und extrem rechte Akteur:innen nutzen antifeministische Narrative geschickt für sich. Ihre Präsenz und das Erstarken menschenfeindlicher Ideologien in den vergangenen Jahren in Deutschland geht mit einem Erstarken von Antifeminismus einher.

Dass Feminist:innen und die Gleichheit der Geschlechter dabei als Bedrohung für die gewohnte Ordnung inszeniert werden, fällt in der Mitte der Gesellschaft auf fruchtbaren Boden. Über antifeministische Themen können Menschen und breite Bündnisse bis weit in die politische Mitte angesprochen, mobilisiert und organisiert werden. Sie übernehmen so eine Brückenfunktion hinein in konservative oder bürgerliche Kreise.

Solche Narrative finden sich auf AfD(-nahen) Social-Media-Accounts. Wenn man nicht direkt mit dem Narrativ von der „Frau am Herd“ kommen will, spielt dort Femonationalismus eine wichtige Rolle, um sich einen Anstrich als Verteidiger:in von Frauen (und Kindern) zu geben.

Femonationalismus heißt, dass Frauenrechte und feministische Forderungen, wie Selbstbestimmung oder Gewaltschutz rassistisch, nationalistisch oder sexistisch instrumentalisiert werden, um migrantische Männer zu stigmatisieren.

Ein beliebtes Argument ist die Berufung auf die Meinungsfreiheit. Meinungsfreiheit und das Einfordern von Toleranz werden oft besonders von denen großgeschrieben, die andere Meinungen als die eigene nicht anerkennen und tolerieren.

Der jüdischstämmige Philosoph Karl Popper formulierte 1945 das sogenannte Toleranz-Paradoxon: „Uneingeschränkte Toleranz führt mit Notwendigkeit zum Verschwinden der Toleranz. Denn wenn wir die uneingeschränkte Toleranz sogar auf die Intoleranten ausdehnen, wenn wir nicht bereit sind, eine tolerante Gesellschaftsordnung gegen die Angriffe der Intoleranz zu verteidigen, dann werden die Toleranten vernichtet werden und die Toleranz mit ihnen.“

Zum Schutz der Toleranz und Meinungsfreiheit müssen wir bisweilen intolerant sein und die Meinungsfreiheit muss eingeschränkt werden, wenn sie die Gesamtheit bedroht. Denn wer die Meinung anderer nicht toleriert, kann für sich selbst auch keine Meinungsfreiheit beanspruchen, da die grundsätzliche Spielregel der Toleranz nicht eingehalten wird.

Bei antifeministischen Angriffen wird oft eine emotionale Rhetorik verwendet, somit viel Aufregung erzeugt und eine hohe Mobilisierung erreicht. Einige Beispiele wurden eingangs schon genannt: Transrechte als Gefährdung von Kindern oder Frauen, Schwangerschaftsabbrüche als angebliche Kindstötungen oder Hetze gegen migrantische Männer als Gefahr für Frauen (besonders natürlich für „deutsche“ Frauen).

Zivilgesellschaftliche Organisationen geraten immer wieder ins Kreuzfeuer massiver Angriffe und Hetze; besonders Organisationen, die sich für queere Rechte und Frauenrechte einsetzen, die etwa Schwangerschaftsberatungen anbieten oder zu geschlechtsspezifischer Gewalt arbeiten, aber auch allgemeine Demokratie- oder Kulturprojekte.

Wie erfolgreich diese Rhetorik ist, bei der es fast immer um Emotionen und selten um Fakten geht, egal ob im Internet, in Talkshows oder bei einem öffentlichen Auftritt, war in den vergangenen Jahren immer wieder im Rahmen von Wahlkämpfen zu beobachten: in Großbritannien, den USA und hier in Deutschland. Der Populismus der 2010er Jahre hat in vielen Demokratien das gesellschaftliche Klima nachhaltig beschädigt.

Es wird auch in Zukunft notwendig bleiben, gegen Populismus und Antifeminismus die Stimme zu erheben.